Foto von Stephan Merk

Einerseits spreche ich ungern über mich, andererseits interessieren mich andere Menschen und Lebensgeschichten. Daher ist es nur fair, anderen Interessierten Informationen zu meinem Werdegang nicht zu verwehren, weshalb der folgende Text entstanden ist.

Die Anfänge

Geboren wurde ich 1975 in Soltau, einer Stadt in der Lüneburger Heide. Seit meiner Kindheit beschäftige ich mich mit Technik – nicht aus einer großen Vision heraus, sondern weil ich Dinge verstehen wollte und sie für mich aufgrund meiner gesetzlichen Blindheit funktionieren mussten. Diese Neugier hat mich nie verlassen und prägt bis heute meine Arbeit in verschiedenen Bereichen.

Seit den 1980er Jahren zählte auch die Tontechnik zu meinen Interessensgebieten, und so wirkte ich im Landesbildungszentrum für Blinde in Hannover bei einigen schulischen Hörspielprojekten und Aufführungen mit, damals noch an der Bandmaschine und mit Kassetten. Musikalisch war ich seinerzeit ebenso unterwegs: zwei Jahre Orgel- und eineinhalb Jahre Schlagzeugunterricht und stets interessiert an Synthesizern und Kommunikationstechnik. Im Jahr 1987 bekam ich meinen ersten Homecomputer, und in der Schule entwickelte ich auf Basis eines F. H. Papenmeier BRAILLEX C ein Lernprogramm für einen Mitschüler. 1989 erfolgte der Schulwechsel nach Marburg.

Anfang der 1990er Jahre begann ich, meine Erfahrungen weiterzugeben und blinde sowie sehbehinderte Menschen beim Umgang mit HiFi, Audiotechnik, Computern und Hilfsmitteln zu unterstützen. Dies blieb nicht folgenlos: So durfte ich ein Hörspiel in der 10. Klasse für den Unterricht produzieren und wurde während einer Projektwoche aufgrund meiner technischen Expertise in die Gruppe Schülerzeitung abberufen. Beteiligt war ich außerdem seit 1993 am Projekt „Schulen ans Netz“ und entwickelte einen Lehrplan, auf dessen Basis wir zu dritt unsere Mitschüler im Umgang mit E-Mail und Internet ausbilden durften. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Beratungstexte über Blindenhilfsmittel, die ich früh im Internet veröffentlichte. Neben Musik- und Hörspielexperimenten beschäftigte ich mich in meiner Freizeit intensiv mit Kommunikationstechnik und erlangte Ende der 1990er Jahre die Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst der Klasse 1 (DL7FOS).

Die Chancen

Nach meinem Abitur begann ich 1996 zunächst eine Ausbildung im nichttechnisch gehobenen Verwaltungsdienst an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt, weil ich fälschlicherweise der Ansicht war, dass man seine Interessen nicht zum Beruf machen sollte. Jura interessierte mich dennoch, zumal ich bereits viele Mitschüler bei der Antragstellung und der Formulierung von Widersprüchen unterstützt hatte – sämtlich erfolgreich. Als 1998 die Einrichtung des Zentrums für Blinde und Sehbehinderte an der Fachhochschule Gießen-Friedberg anstand (BliZ), nutzte ich die Chance und wechselte. Etwa zwei Jahre lang prägte ich den Aufbau mit eigenen Ideen und Konzepten und produzierte ein Image-Hörspiel.

Aufgrund meiner Publikationen wurde ich 1996 als Experte für ein Hilfsmittelportal eingeladen. Daraus entwickelte sich 1998 die Idee einer ersten selbständigen Tätigkeit, die ein Jahr später als Beratungsstelle der mobilen Hilfsmittelzentrale Deininger GmbH fortgeführt wurde. Ich habe Betroffene beraten, geschult, mit Technik versorgt und an der Weiterentwicklung verschiedener Produkte mitgewirkt. Vorträge, Handbücher, Audiobeispiele und Einsätze als Sachverständiger vor einem Landessozialgericht gehörten ebenfalls zu meinen Aufgaben. Gleichwohl führte diese Tätigkeit dazu, dass mir die Zeit zum Abschluss des Studiums fehlte, zumal die Barrieren damals noch deutlich größer waren als heute. Ohnehin hätte ich das für meine Arbeit notwendige Praxiswissen in einer Ausbildung nirgends erhalten – eher war das Gegenteil der Fall.

Die Veränderungen

Das Jahr 2005 war sehr ereignisreich: Zunächst die Aufgabe der mobilen Hilfsmittelzentrale Marburg, im April die Erneuerung zu BLINtec – ein Kunstwort aus Blindentechnik mit dem Anspruch, den Menschen und nicht die Technik in den Fokus zu rücken –, im September folgte der Ortswechsel nach Fronhausen. In dieser Zeit gewannen Smartphones zunehmend an Bedeutung, und die ersten Screenreader machten sie überhaupt erst für blinde Nutzer zugänglich. Ich bin mit der Unterstützung von Code Factory in diesen neuen Markt eingestiegen, habe Geräte umgerüstet, erklärt und vertrieben; mit meinem aufgebauten Händlernetzwerk erlangte ich sogar die Marktführerschaft. In dieser Zeit gingen mehrere tausend Geräte durch meine Hände, und mein Name wurde für viele Nutzer und Händler schnell zum Synonym für Mobile Speak. Gleichzeitig habe ich meinen regionalen Computerservice auf nichtbehinderte Kunden ausgeweitet und ehrenamtlich im Vorstand des Gewerbevereins in Fronhausen mitgewirkt. Auf der Fachmesse SightCity realisierte ich zwischen 2008 und 2013 gemeinsam mit Code Factory und der Acapela Group eigene Messeauftritte.

Die Beratungsartikel zu Blindenhilfsmitteln wurden ebenfalls restrukturiert, und merkst.de löste Merkonline als Portal für fachliche Informationen rund um dieses Thema ab. Die seit Ende der 90er Jahre extern betriebenen Mailinglisten wurden daraufhin unter eigener Flagge fortgeführt; parallel dazu entwickelte sich meine Leidenschaft für Audio- und Musiktechnik weiter. Auf Anfrage eines Pastors der Blindenseelsorge im Rheinland entstand die Idee, dessen Audiomagazin um Hilfsmittelbeiträge zu ergänzen. Daraus entstand 2007 „Stephans Welt“, ein Podcast, der sich schnell zu einem flexiblen Format und Selbstläufer auch abseits der Kirchenpublikation entwickelte – und dies nicht nur im Bereich Technik. Zwischen 2009 und 2014 arbeitete ich gelegentlich als Guide im Dunkelkaufhaus Wetzlar, was meine empathischen Fähigkeiten zusätzlich schärfte, wobei mir der Umgang mit Menschen immer wichtig war. Parallel dazu erschienen erste journalistische Beiträge in Fach- und Vereinszeitschriften, unter anderem in der Deutschen Optikerzeitung, was meine spätere journalistische Tätigkeit vorbereitete.

Aufgrund der Veränderungen bei Smartphones zog ich mich 2014 aus dem Hilfsmittelmarkt zurück und fokussierte mich stärker auf den wachsenden regionalen Computerservice und das Schreiben. 2015 begann die Zusammenarbeit mit AMAZONA.de auf Basis einiger Leserartikel für Musiker, für das ich bis heute Testberichte, Workshops und weitere Artikel verfasse. Darüber hinaus führte diese Erfahrung zu einem Relaunch von merkst.de, dem umbenannten Podcast und der Einführung einer bis heute aktiven Community. Der Schwerpunkt liegt seitdem nicht mehr nur auf Blindenhilfsmitteln, sondern bezieht Audiotechnik, Musikelektronik und zeitgenössische Blogeinträge mit ein. Seit rund 2018 produziere ich zudem akustische Anleitungen, die komplexe Geräte hörbar verständlich machen. Ein kurzer Ausflug an das HOFA-College im selben Zeitraum zeigte mir zudem, dass formale Zertifikate für meine Arbeit weniger entscheidend sind als praktische Erfahrung und realistische Erwartungen an Barrierefreiheit. Auf der Hilfsmittelmesse SightCity wurde ich zeitweise von befreundeten Hilfsmittelfirmen als Unterstützung für ihre Messestände gebucht.

Die Gegenwart

Im selben Jahr wurde ich durch einen merkst.de-Artikel über die Insolvenz des Hilfsmittelherstellers BAUM wieder in diesen Bereich zurückgeholt. Seitdem bin ich seit 2021 offiziell im technischen Support und in der Entwicklung von Braille-Geräten der Marke VisioBraille tätig; das Unternehmen ging später in neue Strukturen über. Zugleich berate ich seit Januar 2026 ein anderes Unternehmen im Vertrieb von Brailleprodukten und schule deren Mitarbeiter. Parallel dazu laufen meine selbständige Hilfsmittelberatung, der Computerservice und die Audioproduktion weiterhin flexibel und je nach Bedarf.

Meine Arbeit ist vielseitig. Ich berate Menschen, teste Geräte, schreibe Artikel, führe Interviews und produziere Audioinhalte. Genau diese Mischung aus Blindenhilfsmitteln, Audiotechnik, Journalismus und praktischer Unterstützung zeichnet mich aus. Ich denke lösungsorientiert, lerne schnell und habe ein gutes Gespür dafür, wie Technik für Menschen funktionieren muss. Mein Anspruch ist unverändert: klare Informationen, ehrliche Einschätzungen und Lösungen, die im Alltag wirklich weiterhelfen. Und weil ich selbst in vielen Bereichen Kunde bin, behandle ich meine Kunden und Partner so, wie ich auch selbst behandelt werden möchte. Dieser Leitspruch ist für mich bindend und sicher nicht ganz unwesentlich für meinen Erfolg. Nachhaltigkeit, Transparenz und Fairness sind dabei grundlegende Werte, die meine Entscheidungen und Arbeitsweise prägen.

Meilensteine

Stephan Merk